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Bisher wieder dicht: Atlantis3 Jacke

Bisher wieder dicht: Atlantis3 Jacke

Manchmal regnet es da draußen und wenn man kein reiner Schönwetterfahrer ist oder das Mopped eben einfach Transportmittel, dann braucht man Wetterschutz. Die Kaufoptionen sind vielfältig, lassen sich aber herunterkochen auf Überzieher (klassische Regenkombi), Inlets/Liner (also Unterzieher), Verbundmaterialien (Leder oder Textil mit auflaminierter Membran) oder hydrophobiertes Leder. Hydrophobierung ist die Verhinderung des kapillaren Wassertransports. Klingt fancy und heißt schlicht, dass das Leder über längere Zeit wasserdicht ist. Erreicht wird das durch eine Durchtränkung des Leders mit Imprägnierung.

Ich fahre in der Stadt auf dem Weg zur Arbeit meist Textil mit auflaminierter Membran und sonst Leder: den Atlantis3-Anzug von BMW, beliebt in der Altergruppe 50 bis 70+. Aber: hochwertiges Leder und bequem. Die Kombi existiert inzwischen in der vierten Generation und erfreut sich so großer Beliebtheit, dass sich Tante Lou sie mit der Vanucci Nubuk, sagen wir mal, zum Vorbild genommen hat (abzüglich der großflächigen Protektoren).

Wie die aktuelle Atlantis4-Kombi besteht auch meine ältere Atlantis3 aus hydrophobiertem Leder.  Die Atlantis4 hat zudem auch noch geklebte Nähte und ich habe mehrere Forenposts gefunden, in denen von 4-stündigen oder auch 1500km Regenfahrten die Rede war, bei denen der Fahrer in der Kombi trocken blieb. Kostet dafür auch rund 1,5KiloEuro. Meine war um einiges günstiger, hält aber, wie ich schon geschrieben hatte, nicht mehr so ganz dicht. Wachsen oder fetten ist nicht, denn die Kombi ist aus Rauleder. Die Hydrophobierung vom Hersteller auffrischen zu lassen wäre wohl möglich (siehe unten) aber ich habe es erstmal selbst versucht. Und so gehts:

DIY

Versuch 1, Einsprühen mit S100-Imprägnierung, hat sich schonmal nur kurz gelohnt, das war es also nicht. Bei der Herstellung erfolgt die Hydrophobierung durch Tauchen in Imprägniermittel, laut dem propagandageschulten Mitarbeiter der nächstgelegenen Niederlassung „tausend Mal“ (!!!!1!eins!!!elf! möchte man anfügen). Das mit dem Tauchbad kann man theoretisch auch selbst machen, aber man braucht schon ein paar Liter Imprägniermittel, um eine Hose oder Jacke darin tauchen zu können und das sind dann grob überschlagen auch 100+ Euro. Einen dichteren Auftrag als Spraydosen bieten Pumpzerstäuber. Ich habe also mal ein bisschen Outdoor-Foren gewälzt und bin bei Fibertec Blue gelandet. Dieses Imprägniermittel vertreibt ein großer Outdoorversender in Halbliter-Flaschen mit großem Sprühkopf (vgl. Mutters Sprühflasche zum Bügeln in der Zeit vor der Dampfbügelstation).

Die Anwendung erfordert etwas mehr körperliche Betätigung, als das Zeug aus der Spraydose. Protektoren entfernen, Kombi auf eine ebene Oberfläche legen und aus ca. 10cm Abstand munter drauflospumpen. Der Auftrag ist ausreichend, wenn die Imprägnierung in kleinen Pfützen auf dem Leder steht. Dann mit einem nicht fusselnden Lappen die Imprägnierung in das Leder einmassieren (ich habe ein Teil eines alten Baumwoll-T-Shirts benutzt). Eine besonders sorgfältige Behandlung sollte man Nähten und Reißverschlüssen angedeihen lassen. Wenn sie nicht vom Hersteller wasserdicht ausgelegt sind, wird man sie nicht auf Dauer dicht bekommen, aber es klappt für einige Zeit. Der Lappen sammelt natürlich auch Imprägnierung an, also gelegentlich über dem aktuell behandelten Kombiteil auswringen damit möglichst viel im Leder landet. Ich hab Jacke und Hose im geschlossenen Zustand einzeln bearbeitet. Erst die Vorderseite, dann eine viertel Drehung weitergedreht, dann Armunterseite/Beininnenseite, dann die Außenseite, wieder weiterdrehen etc.

Am Ende sollte sich das Leder richtig nass anfühlen. Die Imprägnierung wird erst durch Wärme aktiviert. Ich habe meine Kombi direkt im feuchten Zustand für 30 Minuten auf der geringstmöglichen Wärmestufe in den Trockner geworfen. Der Hersteller der Imprägnierung empfiehlt alternativ das Material zu bügeln. Für mich hat der Trockner gut funktioniert. Die Kombi muss anschließend nicht knochentrocken sein (ist vermutlich auch nicht so toll fürs Leder), sollte sich aber nicht mehr nass anfühlen. Einen Tag aushängen lassen schadet anschließend nicht, die Imprägnierung sollte doch einmal richtig trocken werden können, bevor sie Kontakt mit Wasser hat. Edit: Bügeln scheint es nicht zu bringen. Ich habe es nicht selbst probiert, habe inzwischen oft gelesen, dass Leute, die gebügelt haben, statt den Trockner zu benutzen zumindest bei Funktionstextilien nachher doch einen vollgesogenen äußeren Layer hatten.

Ich habe beim Imprägnieren mit Gummihandschuhen und Filtermaske gearbeitet. Der Hersteller gibt zwar an, dass die verwendeten Fluor-Verbindungen (im Gegensatz anderem Zeug auf dem Markt) nicht bioakkumulativ sind, aber gesund ist der Kram vermutlich trotzdem nicht. Man stirbt vermutlich auch nicht, wenn man auf Handschuhe und Atemschutz verzichtet, aber ich habe das Zeug da liegen, dann benutze ich es auch.

Wie gut die Hydrophobierung jetzt wieder ist, wird die Zeit zeigen. Bisher hat die Imprägnierung einmal 40 Minuten beständigen Regen zwischen Sauerland und Ruhrgebiet und einmal durchgängigen, starken Regen von Gießen bis Kreuz Dortmund auf der A45 ausgehalten ohne undicht zu werden. Den Reißverschluss der Hosentasche zuzumachen hilft im Übrigen auch, sonst zieht das Wasser da ins Innenfutter. Versuch macht kluch, fragt mich mal. Insgesamt hat die Kombi also schon sehr viel besser dicht gehalten, als mit der Spraydosen-Lösung. EDIT: Ich habe das rund ein halbes Jahr später mal mit richtig viel Wasser getestet.

Post-Insolvenz-Dienstleistungsdschungel

Wer eine Atlantis2 oder Atlantis3 sein Eigen nennt und nicht selbst an seiner Kombi experimentieren möchte, konnte sie bis 2009 zur Lederfabrik Hopfengarten nach .at schicken, die den Atlantis3-Anzug bis 2007 auch für BMW produziert hat. Unter dem Stichwort „Reinigung/Pflege“ wurde der Anzug dann gereinigt, neu hydrophobiert und nachgefärbt. Kostenpunkt waren 125 Euro. Hopfengarten musste in Konkurs gehen und wurde von der Firma Vogl aus der Insolvenz gekauft. Deren Website ist wenig aussagekräftig, aber dem Vernehmen nach funktionierte das Procedere wie bisher (Stand 2010). (Edit: Vogl ist ebenfalls insolvent.) 2011 tauchte dann in diesem Thread ein ein Forenpost von einem Herrn Riedmann auf, der angab der frühere Produktionsleiter der Lederfabrik Hopfengarten zu sein und die Anzugpflege jetzt in Eigenregie durchzuführen. Das scheint auch so zu sein (Stand Januar 2013). Kostenpunkt 200 Euro plus Versandkosten. Der Kontakt erfolgt meines Wissens per Mail an josef punkt riedmann ät gmx punkt at. Edit: Laut diesem Post läuft das auch im Januar 2014 noch genau so. Alle Angaben ohne Gewähr, ich habe es (bisher) nicht ausprobiert.

Was macht ihr so, um trocken zu bleiben? Regenkombifahrer? Textil+Membran? Gibt es noch irgendwo GoreTex-Leder-Laminat zu kaufen oder ist das tatsächlich ausgestorben? Hat es jemand mit der DIY-Hydrophobierung versucht?

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