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Ursprünglich wollte ich ganz dreist bei Alexanders Operation Alpenblitz den Namen entlehnen: Operation Voralpenblitz, aber auch in Teilen des Voralpenlands war es noch etwas früh für problemlose Straßenverhältnisse und so habe ich die Routenplanung dann mehrfach umgeworfen.

Aufhänger für die Tour war, dass ich beruflich in den Süden Deutschlands musste und die Gelegenheit nutzen wollte, Freunde zu besuchen, die ich qua Distanz nicht so oft sehe. Und dann dachte ich: Mopped ist besser als Bahn, fährste Mopped. Erste Märzwoche geht temperaturtechnisch bestimmt. Der berufliche Aspekt führte zu einer kleinen Menge Zusatzgepäck, da ich nicht in Leder würde rumlaufen können.

Mittwoch am späten Nachmittag kam ich arbeitsbedingt verspätet los und es ging ganz geplant via A45 und A3 ins Basislager nach Würzburg. Irgendwo zwischen Ruhrgebiet und dem Autohof in Florstadt wurde mir klar, dass die gute Thermounterwäsche von Odlo, der Goretex-Layer, das Fleece obenrum und das Leder nicht genug sind, spätestens wenn die Sonne weg ist. Daher Pause an besagtem Autohof, herunterbrechen des angefrorenen Körpers von der Sitzbank und aufwärmen mittels Heißgetränk. Geburt des Tournamens. Auf Höhe von Waldaschaff wurde mir klar, dass die A3 mal wieder eine richtig dumme Idee gewesen ist und ich in Stockstadt hätte abfahren sollen. Beeindruckende 20km Stau in Baustellen, die so eng sind, dass es keine Rettungsgasse mehr geben kann. Extrem gute Idee. Es wäre möglicherweise von Vorteil gewesen, wenn der Freistaat mit dem drei- bis vierspurigen Ausbau nicht erst begonnen hätte, nachdem das entsprechende Verkehrsaufkommen bereits seit mehreren Jahren vorhanden war. Sondern besser mal ein funktionierendes Verkehrskonzept entwerfen sollte. Vier Spuren sind keine Lösung, sondern eine self-fulfilling prophecy.

Donnerstag sollte es weiter in Süden gehen. Frühe Abfahrtzeit gesetzt und: leider Reifglätte. Die Termine des Tages also im kurzfristig geliehenen Auto (danke!) absolviert und die Routenplanung nochmal umgeworfen zu Gunsten einer weiteren Nacht in Würzburg. Auf der A5 kann man die Steigerung von gescheiterter Verkehrsplanung (vgl. BAB 3) betrachten. Wenn von drei Fahrspuren nicht eine, sondern zwei permanent von LKWs befahren sind (ganz rechts exklusiv, Mitte sporadisch durch Autos unterbrochen), ist das nur der deutlichste Indikator, dass am Gütertransportangebot der Deutschen Bahn ungefähr alles falsch sein muss.

Freitag. Merke: Das Sams hat recht. Termin findet nicht statt, Freitag ist frei (Quickfix: Urlaubsantrag). Somit ging es los, aber später als geplant. Um 08:00 Uhr: -0,5°C, Reifglätte. 11:30 Uhr: 8°C, nochmal Tanken und auf gehts!

Freitag ist frei! Nochmal tanken und Reifendruck prüfen.

Freitag ist frei! Nochmal tanken und Reifendruck prüfen.

Weil das Bett am Abend in der Schweiz steht, alles zwischen Unterfranken und Schwarzwald mit Hilfe der A81 ausblenden. Dank einer Lage Themojogger zwischen Odlos und Kombi ging das jetzt immer für zwei Stunden sehr gut. Nach Verlassen von Autobahn und zweispuriger Bundesstraße sollte es eigentlich von Nordosten an Tittisee-Neustadt vorbei Richtung Feldberg gehen. Auf dem Weg entdeckte ich mehrere Hinweisschilder auf die Wuttachschlucht. Am ersten fuhr ich noch vorbei, beim zweiten gab ich nach. Mal schauen, ob es da noch aussieht wie früher, ich war da schließlich fast 20 Jahre nicht. Sieht.

Wieder oben angekommen fand mir das Navi eine sehr hübsche Alternativroute und ich diesen schönen Blick über den lokalen Teil des Schwarzwalds:

Blick Richtung Wuttachschlucht

In Richtung Tittisee führten mich viele gut einsichtige Kurven. Bei Kurven, die im Schatten lagen, musste man allerdings noch sehr gut aufpassen, denn die waren zumindest nass. An überwiegend schattigen Stellen neben der Straße lag vielfach noch Schnee und Straßenglätte war durchaus eine Option.

Schnee im Schatten, Sonne im Gesicht

Schnee im Schatten, Sonne im Gesicht

Von Neustadt aus sollte es eigentlich um den Feldberg herum zum Schluchsee gehen. Navi und Headset zogen es allerdings vor sich in der Zwischenzeit zu desynchronisieren, weshalb ich den Abbiegehinweis nicht mitbekam. Da war ich aber schon fast oben.

Photopause an der Feldbergstraße, Navi und Headset rebooten.

Auf der Passhöhe bei 1231m ü. NN fahren alle anderen Ski oder Snowboard. Das Mopped erntet etwas befremdete Blicke. Dann mal weiter zum Schluchsee.

Feldberg, Paßstraße. Insgesamt ziemlich viel Schmelzwasser auf der Fahrbahn, besonders weiter unten laufen teilweise echte Bäche über die Fahrbahn.

Am Vormittag ist die Strecke wohl noch nicht zu empfehlen, jetzt am Nachmittag hatte das Wasser von der Schneeschmelze aber einen vorteilhafteren Aggreatszustand: flüssig. Kurz vor unten sah ich dann tatsächlich auch den ersten anderen Moppetentreiber. Und fuhr die Strecke gleich nochmal. Wegen Navi-Fuckup und nicht nachdenken. Über Bernau wäre besser gewesen, so musste ich nochmal durch durch Stau von an- und abreisenden, sowie parkplatzsuchenden Wintersportlern. Aber bis zur Passhöhe war das Kurvenfahren superb, also nicht meckern.

Der Schluchsee begrüßte mich mit dem vermutlich niedrigsten Pegelstand ever. Dem Vernehmen nach konnte man an einer Stelle sogar die Überreste eines der Gebäude sehen, die damals bei der Errichtung der Staumauer geflutet wurden.

Schluchsee bei extrem niedrigem Pegelstand

Von hier ging es über eine Straße, die viel schmaler war, als ich sie in Erinnerung hatte, nach Bonndorf. Erst tanken, dann einmal durch die Stadt rollen und schauen, was ich noch wiedererkenne. Erstaunlich viel ist unverändert, auch auf die übermäßige Erschließung von Bauland wurde verzichtet. Ich entschied mich spontan bei sehr alten Bekannten zu klingeln, was dazu führte, dass ich nicht so früh weiter gen Rheinfall fuhr, wie geplant. War aber nett, wie auch die excellent asphaltierten Feldwege, die zwischen Schwarzwald und Schweiz als Kreisstraße durchgehen. Den Sonnenuntergang bekam ich nicht mit, wegen Kurven wetzen in einem tiefen Tal, über die grüne Grenze in die Schweiz rollte ich bei Dämmerung und am Rheinfall war es zappenduster.

Rheinfall im Dunkeln. Bestimmt weiß niemand außer den Einheimischen, das die ganze Angelegenheit nachts beleuchtet ist. Außer mir war da keiner mehr.

Eben noch die akustische Geschwindigkeitswarnung am Navi aktiviert (denn 3km/h über Limit verteuern die Tour ja direkt mal um 150 Tacken) und über sehr kleine Straßen nach Winterthur. Tagsüber hätte ich mich vermutlich über diese Routenführung gefreut, in der Dunkelheit war es ziemlich anstrengend und einfach nur kalt. Eine warme Dusche und ein sehr netter Abend entschädigen aber mit Leichtigkeit für die letzte Etappe. Tagesfazit: 1. Im Schwarzwald könnte ich mich auch mal wieder länger aufhalten. 2. Die wetterbedingte, späte Abfahrtszeit führt abends zu kalten Fingern. 3. Menschen zu treffen, zumal die, die ich nur sehr selten sehe oder lange nicht gesehen habe, dauert immer länger als geplant, ist die Zeit aber dicke wert.

Zweiter Tourtag ->

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