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Am nächsten Morgen bot sich in Winterthur wettertechnisch ein ähnliches Bild, wie in Würzburg. Sehr sonning, zur geplanten Abfahrtszeit aber noch Frost. Also lieber mal ausgedehnt frühstücken und gut weiter unterhalten. Nach dem Frühstück hatte ich leider einen bleibenden Ohrwurm von KIZ (mit bleibend meine ich „sporadisch bis heute wiederkehrend“). Die Abfahrt war dann noch später, als es die Straßenverhältnisse zugelassen hätten: 11:30 Uhr. Aber: gute Zeit verbracht.

Ursprünglich hatte ich vorgehabt von Winterthur auf der schweizer Seite um den Bodensee zu fahren und von dort aus in den Bregenzer Wald. Dort sollte es übers Furkajoch gehen und dann über die Bregenzerwaldstraße und grob der Lechtalstraße folgend bei Füssen wieder über die Grenze nach Deutschland. Da in Vorarlberg der Klimawandel zum Glück noch nicht so sehr angekommen ist und das Furkajoch damit leider noch gesperrt war, hatte ich eine Alternativroute über das geöffnete Faschinajoch vorgesehen. Webcam- und Wetterstationrecherche am Morgen hatten mich aber auch davon absehen lassen. Wenn es nachts noch unter -10°C geht, friert auch das tagsüber reichlich auftretende Schmelzwasser im Schatten nochmal fest. Also ganz anders fahren.

Ich wählte den kürzesten Weg aus der Schweiz und auf der deutschen Seite am Bodensee entlang. Das war auch gut so: außer wenn es die Straßenführung diktiert, ich also freiwillig darunter bleibe, weil die Kurve es verlangt, finde ich ein 80 km/h Speedlimit bei gleichzeitiger Durchsetzung durch signifikante Sanktionen extrem spaßraubend. Kurz vor Konstanz: leider Samstag. Da fährt der Schweizer ins Billigeinkaufsland nebenan und staut sich vom Ortseingang in Kreuzlingen bis in die Konstanzer Innenstadt. Zahlreiche Verkehrsinseln und eine Zollstation verhindern eine durchgängige eigene Fahrspur, die ich trotzdem, wenn möglich, eröffnete. By the way, Schweiz: Schengen, kleines Kaff in Luxemburg und Ort der Unterzeichnung eines nicht immer vorteilhaften aber im Alltag unglaublich praktischen Vertrags. Beitreten, zackzack! So stand ich jedenfalls das erste Mal seit sehr vielen Jahren in der Schlange vor einer Grenze.

Nachdem die Schweizer in ihrer Gesamtheit Richtung Innenstadt abgebogen waren, ging es direkt auf die gerade wartende Fähre nach Meersburg. Die Fährverbindung ist die bequeme Alternativ zur B33, auf der sich der Konstanzer als solcher gen A81 zu stauen pflegt.

Mopped auf der Fähre Konstanz-Meersburg

Mopped auf der Fähre Konstanz-Meersburg

Außerdem ist Fähre fahren eine schöne Abwechslung (wenn es nicht zu lange dauert). Über den Bodensee geht es hier in gerade mal 15 Minuten und anschließend weiter am See entlang Richtung Lindau. Verkehr: wider Erwarten locker, aber in jedem Ort irgendwann ein 30 km/h Speedlimit, garniert mit Photofinish-Möglichkeit.

Bodenseepanorama

Bei Lindau ging es kurz auf die A96 und südlich von Wangen auch direkt wieder runter, nördlich halten nach Leutkirch, Tankstop und auf sehr coolen, wenig befahrenen Straßen gen Osten durchs Allgäu. Klingt fast nach einem Happy End, aber hier kommt das „Freunde besuchen“ dem Moppedfahren in die Quere. Ich will am Abend in Salzburg sein und über Land bis zur A8 nördlich von Bad Tölz dauert zu lange. Rückblickend hätte ich die Tour hier anders legen sollen, das Allgäu genießen, bis südlich des Ammersees über Land fahren und am Abend im Augsburger Raum Station machen. Aber Versuch macht kluch. So fuhr ich eben die A7 hoch, die A96 rüber, nach München rein, um auf die A8 zu kommen, in den stockenden Verkehr am Irschenberg, stellte mich in der Dämmerung in die Schlange an der Autobahntanke und verkühlte mir irgendwann zwischendurch ganz ordentlich den Rücken. Auf der deutschen Seiten von der Autobahn ab, seit langem schon dunkel, über Freilassing rein nach Salzburg. Mopped unterbringen, sehr leckeres Abendessen bei Freunden. Die anschließende Stadtführung fiel leider sehr kurz aus.

Salzburg: Salzach & Festung Hohensalzburg

Salzburg: In die Wand gebaut

Mit Einbruch der Dunkelheit waren die Temperaturen unter Null gefallen und der Wind der unter der Lederjacke reinpfiff, machte meine Schmerzen zügig spaßfrei. Da der Schmerz eher punktuell war und der Nierenbereich sonst nicht berührungsempfindlich, schloss ich auf eine muskuläre Ursache, packte ich Wärme drauf, legte mich in den Schlafsack und hoffte das beste. Tagesfazit: Ich fahre gerne weite Strecken, um Freunde zu sehen aber bei schlauerer Planung hätte das mit mehr Fahrspaß kombiniert werden können. Von Salzburg hätte ich gerne mehr gesehen.

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