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Ich nenn das mal NoPro

Ich nenn das mal N0Pro

Ich habe bereits das eine oder andere Mal angemerkt, dass ich gerne eine ordentliche Stills-Kamera am Mopped hätte. Ich gucke gerne hübsche Videos, wie z.B. das aktuell votierbare Odenwaldbollern, mein Medium sind aber bisher eher Photos. Ich denke oft beim Fahren „Oh wow, wunderschön!“ und würde das dann gerne im Bild festhalten. Es fährt sich leider oft in einer solchen Situation auch gerade nett und ich habe keine Lust anzuhalten oder gar umzukehren, um die Kamera rauszukramen und den Auslöser zu drücken.

„Kauf dir halt eine GoPro“ höre ich nach diesem Lamento nicht zum ersten Mal. Ja, stimmt, aber nein doch nicht. Und zwar aus zwei Gründen:

(TL;DR Actioncams rocken nur bedingt, ich besitze mindestens eine Kamera, die für Photos besser geeignet ist und zudem ist das Geld für eine GoPro gerade für anderes verplant.)

Aus der Perspektive professioneller Filmschaffender, wie den Jungs mit dem hoffentlich stattfindenden Abenteuer Pyrenäen, sind Actioncams, wie die GoPro, die Bullet und wie sie alle heißen, Teile, die man einsetzt weil man ihren Verlust verkraften könnte, falls sie sich doch mal von der Verkleidung losgerüttelt haben (im Gegensatz zum Verlust einer „echten“ Kamera). Für nur mal eben zum rumspielen sind die Dinger aber immer noch ganz schön teuer. Aber der zweite Grund ist fast wichtiger: Die Sensoren von Actioncams liefern inzwischen beeindruckende Auflösungen. Sie haben dabei aber eine relativ kleine Fläche und häufig schlägt das auf den Rauschabstand und auf den Dynamikumfang. Letzteres sieht man z.B. bei korrekter Belichtung im hellen Sonnenschein, wenn nachher leider alles, was im Schatten lag (fast) konturlos schwarz ist, oder umgekehrt die Schatten korrekt belichtet sind, man aber in hellen Bereichen auch mit viel Arbeit im Editor der Wahl nichts mehr retten kann, weil die Lichter alle ausgeblasen sind und der Sensor hier blankes Weiss aufgezeichnet hat. Bei heller, diffuser Beleuchtung zeigt sich das Problem fast deutlicher, da hier der Vordergrund oft richtig belichtet ist, der Himmel aber einfach nur hellgrau. Das wirkt im Panorama beispielsweise sehr langweilig, weil unser Auge daran gewöhnt ist, hier noch viele Konturen und Schattierungen wahrzunehmen, weil es das eben kann. Mancher Film warist relativ nah dran in dieser Abbildungsleistung, jeder noch so gute digitale Sensor bleibt derzeit noch dahinter zurück. Zur Kompensation lassen sich mehrere Aufnahmen der gleichen Szene bei unterschiedlicher Belichtung zu High Dynamic Range (HDR) oder ImprovedIncreased Dynamic Range (IDR) zusammen rechnen. Das Ergebnis können wahlweise hyperrealistische Bilder oder schlicht mehr Gestaltungsspielraum in der Nachbearbeitung sein. Viele meiner Bilder hier im Blog sind IDRs, aus letzterem Grund.

Früher habe ich sehr oft eine Spiegelreflexkamera (SLR) mit mir herum geschleppt. Sehr oft wurde dann immer seltener und oft war dann keine ordentliche Kamera zur Hand, wenn ich sie gerne gehabt hätte. Das war mein Einstieg in die Welt der Kompaktkameras mit halbwegs ordentlichem Sensor, in Form der Lumix LX3. Inzwischen bin ich für dieses Anwendungsfeld bei der Canon S100 angekommen und die (D)SLR kommt nur noch mit, wenn ich explizit zum Photographieren aus dem Haus gehe. Wie möglicherweise am 23.05. zu Kustum Kulture Forever.
(/TL;DR)

Ziel der Übung ist also eine ordentliche Kompaktkamera, hier eine Canon S100, so am Mopped unterzubringen, dass ich noch länger etwas davon habe. Es geht erstmal nicht um eine wasserdichte Lösung, die Kamera verkraftet aber schon weder Steinschlag, noch Fluginsekten in der Mechanik des Objektivs. Zudem braucht es auch noch einen Fernauslöser.

Kostenpunkt für das Projekt: etwa 60 Euro, etwas mehr als 40 davon für die RAM-Halterung :-/.

Kabelauslöser, lenkermontierbar

Kabelauslöser, lenkermontierbar

Wenn man der S100 eine Customfirmware verpasst, das CHDK, gewinnt die Kamera, neben vielen anderen Features, die Möglichkeit zur Fernauslösung via Kabel. Wenn auf dem Mini-USB-Port zwischen VCC und Ground ein High Level (typischerweise zw. 4 und 5V) anliegt, löst die Kamera aus. Gebaut ist so ein Auslöser dann fix: ein altes Mini-USB-Kabel, ein Taster, eine Energiequelle. Als Taster habe ich einen vandalismussicheren aus Edelstahl gewählt, der ist damit auch relativ dicht (IP67) und sieht vor allem schön aus. Gehäuse drum gebaut und das ganze mit einer variablen Lenkerhalterung für Fahrradbeleuchtung kombiniert. Ich will ja im Fahren auslösen können, ohne dass es mich wesentlich Aufmerksamkeit kostet. Meine Energiequelle sind drei AAA-Batterien in einem geschlossenen Halter. Kostenpunkt für den Auslöser: rund zehn Euro, knapp sechs davon für den Edelstahltaster.

Das Gehäuse für die Kamera selbst habe ich aus 4mm starkem Acrylglas gebogen. Was das Autogenschweißgerät zum Rohre biegen, ist der Heißluftfön für Acrylglas. Das Gehäuse besteht aus einem u-förmig gebogenen Streifen Acryl mit eingesetzten Seitenwänden.

Gehäuse biegen: Acrylglas erwärmen und warten bis die weiche, heiße Platte der Schwerkraft folgt

Gehäuse biegen: Acrylglas erwärmen und warten bis die weiche, heiße Platte der Schwerkraft folgt

Die Rückwand ist ein Streifen opakes Polyethylen. Die Kamera soll durch den mittleren Teil des „U“s durchsehen. Da Baumarktacrylglas selten entspiegelt oder vergütet ist, musste also etwas besseres her. Ich hatte noch ein nicht dringend benötigtes Skylight-Filter im Durchmesser 55mm. In der Bucht gibts für 3,99€ Schraubadapter, um Filter auf Objektiven zu befestigen, die größer sind als der Filterdurchmesser. Ich habe ein 58mm->55mm Reduzierstück geklickt und ein näherungsweise 58mm großes Loch in das Acrylglas gefräst. Vor dem einkleben des Reduzierstücks mit Epoxydharz habe ich das Innere des Gehäuses mattschwarz lackiert, zur Verringerung unerwünschter Lichtreflexionen.

Halbwegs ordentlich entspiegelt

Halbwegs ordentlich entspiegelt

Die Außenseite ist weiss lackiert, zur Verringerung der Erwärmung des Ganzen durch Sonneneinstrahlung. Das Filter wird nun einfach in das 55mm Gewinde eingeschraubt und kann zum Reinigen oder bei finalem Defekt leicht entnommen werden. Ich bin unsicher, ob ich da noch ein paar Tropfen Locktite 243 anbringen sollte oder nicht, der Rotax-Eintopf vibriert ja schon ganz ordentlich.

Vor dem Lackieren mit Fassung für das Filter, Innenansicht, Außenansicht

Vor dem Lackieren mit Fassung für das Filter, Innenansicht, Außenansicht

Das Gehäuse ist deutlich breiter als die Kamera, da der Anschluss für das USB-Kabel/Fernbedienung auf der rechten Seite liegt, ich keinen abgewinkelten Mini-USB-Stecker hatte und weder ständig Zug auf die Buchse bringen will, noch einen Kabelbruch durch zu engen Biegeradius herbeiführen. Daher ist das ganze ungefähr doppelt so breit, wie eine GoPro. Aber es war ja auch nie für den Helm gedacht …

Gesamtpaket ohne Rückwand, dafür mit Auslöser.

Gesamtpaket ohne Rückwand, dafür mit Auslöser.

Von der Breite her passt das ganze exakt zwischen die Standrohre und ich hatte eigentlich vor, die Kamera unter der Gabelbrücke zu befestigen (abnehmbar). Inzwischen behagt mir das nicht mehr so ganz und auf exakt eine, zudem tiefliegende, Perspektive festgelegt zu sein, ist auch nicht exzellent. Daher habe ich mich dann für eine RAM-Saugnapfhalterung mit kurzem Verbindungsstück entschieden und einen entsprechenden Kugelkopf am Gehäuse montiert. Das hat die Projektkosten dann leider explodieren lassen (siehe oben).

Explodierte Projektkosten links, Gehäuse rechts

Explodierte Projektkosten links, Gehäuse rechts

Ein Test steht noch aus, das Teil ist derzeit nicht wasserdicht ausgelegt (Front ja, Rückseite nein) und seit das Gehäuse vor ein paar Tagen fertig geworden ist, war ich nur im Regen und/oder im Dunkeln unterwegs. Ich denke, es wird auch noch ein kurzer Fangriemen dazu kommen, für den Fall, dass der Saugnapf auf dem bisschen Verkleidung der Scarver versagt.

Sonstige Manöverkritik: Die Lackierung ist dilettantisch und wenn ich mir sicher gewesen wäre, dass es so bleibt, wie es ist, hätte ich ich die Seitenteile glatt gespachtelt. So sieht man die Struktur der Epoxy-Klebefuge. Wenn ich die Rückwand noch mit einer umlaufenden Dichtung versehe, sollte das Teil zumindest Spritzwasser abhalten können, aber mir ist derzeit noch unklar, welches Dichtungsmaterial und welche Form hier das schlaueste wäre. Eine Option wäre zum Beispiel, die ganze Rückwand mit einer etwas übermaßigen Moosgummiplatte zu doppeln. Da Moosgummi aber offenporig ist, zieht das vermutlich früher oder später Wasser, richtig? Empfehlungen?

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