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John F. Kennedy, great user of motorcades (Quelle: Wikipedia/WHPO, CC0)

John F. Kennedy, great user of motorcades (Quelle: Wikipedia/WHPO, CC0)

Ask not what you can do for the motorcycle industry, ask what the motorcycle industry can do for you!

Der Griesgram fragte, was wir uns von Herstellerseite wünschen, hier ist meine Liste:

Hochzeit von BMWs C1 mit dem Antrieb aus BMWs C evolution, aber mit leichterem Batteriepack bei gleicher Reichweite. Der C1 ist schweinehässlich und hat mit einem Mopped nix zu tun? Kann sein, aber er ist das beste urbane Pendlerfahrzeug, das jemals produziert wurde. Nur die Motorisierung ist ein Witz und einige Details beim Wetterschutz, die der C1 dann über das Zubehörprogramm für teuer Geld bekommen hat, könnten diesmal direkt Teil des Designs sein. Außerdem: bezahlbar. Das ist ein weicher Begriff und Batteriepreise sind hier noch ein Problem, aber es ist wohl relativ klar, dass der C evolution zu teuer ist, um ein Verkaufsschlager zu sein.

Bezahlbare, leichte E-Enduros, zulassungsfähig, 200km Reichweite. Es ist erstaunlich, welche Wege man unbehelligt in deutschen Wald und Feld fahren kann, solange man Rücksicht nimmt. Je leiser, desto besser und leiser als elektrisch geht wohl gerade nicht. Lasst uns hier bitte auch über Rahmenbedingungen sprechen, die es erlauben, Endurowandern legal zu betreiben, nicht nur geduldet. Das wäre sehr schön.

Mehr Riemen statt Kette. Kettenreiniger, Kettenspray, wahlweise Kettenöler, nachspannen, Kettenrad und -ritzel tauschen … Oder einfach ab und zu mal nachsehen, ob sich kein Stein reingedrückt hat und sich ansonsten nur alle 40.000 Kilometer mit der zweiten Hälfte des Antriebsstrangs auseinandersetzen müssen. Riemen haben ihre Grenzen, aber die sind doch recht weit und innerhalb ist das Leben ganz schön praktisch. Mehr davon!

Hübsche, schraubbare Moppeds, mit möglichst wenig Plastik und deaktivierbarem ABS. Also ungefähr die Ninette, aber durchaus leichter, weniger Leistung, keine elektronischen Helferlein, die das Selberschrauben langfristig behindern. Damit man sich jeden Zweifel beim selbstgemachten Bremsflüssigkeitswechsel trotz ABS sparen kann: einfach diesen Teil des Servicesprogramms (ABS-Pumpe pumpt blasenfrei die alte Flüssigkeit raus und die neue rein) direkt am Mopped aktivierbar machen, ohne ein Diagnosegerät zu erfordern. Das ist trivial zu realisieren und wäre nur fair.

Mehr gut schützende Bekleidung, die auch stylisch aussieht. Keine bescheuerten Nähte im Kniebereich, die da nicht hingehören, ordentlich große Protektoren, die den Namen auch verdienen. Einfach mal von BMW die NP-Protektoren kopieren oder so. Und was Jacken angeht: Rückenprotektoren, die den Namen auch verdienen (vgl. Dainese Manis). Oh, und Stiefel: solche, die unter Jeans gut aussehen, solche, die zum Businesskasperoutfit passen und beide vorne so breit, dass meine Füße bequem hinein passen. Ich könnte ein paar Leisten dafür vorschlagen.

Ein Einteiler für über das Businesskasperoutfit. Das ganze muss man schnell an- und ausziehen können, ohne die Stiefel auszuziehen. Die Passform sollte feingranular durch Klettbänder anpassbar sein, das Material hoch abriebfest, die Gelenkprotektoren müssen ihren Namen verdienen, auch wenn sie dann auftragen und der Rückenprotektor sollte den ganzen Rücken abdecken und daher in verschiedenen Größen erhältlich sein (think: Dainese Manis). BMWs Coverall ist ein netter Anfang, aber sitzt zu lose, hat nur besser-als-nichts SC-Protektoren und einen zu kurzen Rückenprotektor. Die Überziehkombi dann geliefert in einer halbwegs edlen Transporttasche, die man zur Not auch ins Meeting mitnehmen kann. Außerdem: bei solchen Klamotten, die man wirklich nur zum Fahren trägt und zudem als Pendler oft in der Dämmerung, hätte ich gerne ganz viel HighVis-Ausstattung, die auch lange die Farbe hält.

Langgrößen/differenziertere Schnitte. Liebe Bekleidungshersteller, es ist klar, dass ihr das Segment kleiner, dicker alter Männer auf großen Maschinen bedienen müsst. Die bezahlen gutes Geld. Aber wenn ihr auch in zwanzig Jahren noch gutes Geld verdienen wollt, solltet ihr euch heute um das Kundensegment kümmern, das auch in zwanzig Jahren noch Motorrad fährt. Und wir sind im Durchschnitt größer. Das heißt auch: längere Arme und so. Und wir sind die einfache Fraktion: normale Größen, kurze Größen, lange Größen. Das andere Kundensegment, das noch Wachstum verspricht, sind motorradfahrende Frauen. Davon gibt es zu wenig (das hat vielfältige Gründe, die hier den Rahmen sprengen) und obwohl sich hier im Bekleidungsbereich einiges getan hat, sind wir noch weit von passender Bekleidung für die diversen Figurtypen weg. Hier sollte es also differenzierter zugehen.

So, und jetzt bin ich sehr gespannt, was noch so alles unter dem Hashtag #motwunsch auftaucht! Ich habe noch bei weitem nicht alles gelesen, sehe aber noch bei einigen anderen den Wunsch nach bezahlbaren, ordentlichen, kleinervolumigen Moppeds und kann schonmal des Griesgrams und des Kettenritzels Anforderungskatalog an die Politik voll unterstützen. Ich würde mir in diesem Kontext auch wünschen, dass sich auf allen politischen Ebenen die Erkenntnis durchsetzt, dass 4-rädigen Fahrzeuge in Ballungsgebieten nicht die Zukunft gehören kann, wenn wir etwas von unserem Lebensraum behalten wollen. Fahrräder und Pedelecs sind nicht die Lösung, sie sind ein Teil davon. Städte müssen insgesamt Zweiradfahrer besser mitdenken, große und kleine. Das denke ich zum Glück auch nicht alleine.

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