Das Buzzword gehört ja eigentlich Stadtplanern und Menschen, die davon überzeugt sind, dass wir demnächst keine eigenen Fahrzeuge mehr besitzen werden, sondern uns nur noch via Bus, Bahn, Carsharing, Bikesharing und Ridesharing fortbewegen werden. Also mit dem Bikesharing-Bike zur Bahn, mit der Bahn in eine andere Stadt und dann mit dem Carsharing-Car ans Ziel. Bevor irgendjemand auf die dumme Idee kam, Uber auf den Markt zu lassen, hieß Ridesharing auf der Langstrecke ja Mitfahrgelegenheit, auf der Pendelstrecke Fahrgemeinschaft und, wenn es ordentlich reguliert war, Taxi. Aber nun, immer munter voran mit der Sprachevolution. Von der ganze schönen multimodalen Welt funktioniert bisher: Bahn, Bus, Taxi. Wirklich gut eigentlich nur Taxi. Und an guten Tagen Bahn auf Langstrecke. Also alles wie gehabt.

Deshalb sieht multimodaler Verkehr bei mir so aus: Mit Mopped oder Roller in ein bahnhofsnahes Wohngebiet, zu Fuß zum Bahnhof und dann mit der Bahn in irgendeine größere Stadt in der ich berufsbedingt sein muss. Das Zweirad spart mir dabei im Vergleich zum ÖPNV 20 Minuten auf dem Hinweg und auf dem Rückweg bin ich 30-40 Minuten früher im Bett, wenn es Abends spät wird. Im Vergleich zum Taxi spart es mir eine Menge Geld. Ich fliege im Übrigen echt selten, denn mit zweimal Transfer und einmal Sicherheitstheater am Flughafen kommt es häufig genug zeitlich auf das selbe raus, wie Bahnfahren.

Ist meine private Multimodalität optimal? Nein. Im Sommer geht es, da laufe ich an Reisetagen halt in Moppedjeans rum. Wenn es ganz schnieke sein muss, ist Mist wegen einmal komplett umziehen. Wenn zwischen ankommen und Businesskasperoptikrequirement ein Hotel liegt ist aber auch wieder alles gut.

Viel ärgerlicher sind da die gelegentlichen Businesskaspertermine hier in der Gegend, zu denen ich bequem direkt mit dem Mopped oder Roller fahren könnte. Aufgrund der Konformitätsanforderungen ans äußere Erscheinungsbild — und mangels Möglichkeit die Motorradklamotten irgendwo zu lassen — lande ich dann nämlich doch wieder in der Dose und im Stau.

Im Winter führt die mit-dem-Zweirad-zum-Bahnhof-Lösung dazu, dass ich noch eine weitere Tasche mit mir herumschleppe (neben Ortlieb Rackpack mit Klamotten und Laptoptasche), in der dann meine Überhose landet. Das ist im Übrigen einfach eine BMW Streetguard, die ich mal günstig über eine Kleinanzeige erstanden habe und die mir zwei Nummern zu groß ist — also perfekt sitzt mit Zivilklamotten darunter und Rückenprotektor.

Eine Lösung wäre eine Onesie-Überziehkombi mit guter, vollständiger Protektorenausstattung. Das hatte ich schon in der #motwunsch-Liste, aus dem gleichen Grund.

Bleibt der Stauraum: Möglichst diebstahl- und vandalismussicher, am Fahrzeug gesichert und klein zu verstauen, wenn nicht benutzt. Hätte ich einen Großroller, wäre der für meinen normalen Rolleranwendungszweck zwar recht nutzlos, viele haben aber immerhin ein Sitzbankfach, in das der ganze Quatsch passen würde. Oder das 80 Liter Topcase des C1, das sollte wohl genügen. Schraubte man so etwas an einen normalen Roller, litte jedoch die Agilität in der Rettungsgasse, da das Fahrzeug in leichter Schräglage plötzlich die wichtigen Zentimeter breiter wäre, die darüber entscheiden, ob ich einem Dosenfahrer einen Spiegel bezahlen muss oder nicht.

Prinzipiell würde ein free-floating Carsharing-Modell, das das gesamte Ruhrgebiet abdeckt, mein multimodales Zubringerproblem lösen. Auto in der Nähe der Wohnung an der Straße einsammeln und in der Nähe des Zielortes/Bahnhofs abstellen, keine Extraklamotten mitschleppen. Leider stünde ich damit immer noch auf der A40 und den anderen verkehrstechnischen Unwägbarkeiten des Ruhrgebiets im Stau. Was das angeht gibt es kein Richtig im Falschen. Vier Räder sind in Städten und Ballungsräumen schlicht zwei zu viel.

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