Von Rollern und Moppeds — eine Nicht-Liebeserklärung an ein Nutzfahrzeug

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Honda SH 125 (JF09) mit weiß lackiertem Kühlergrill und Tagfahrlicht

Der Honda SH war mein Wiedereinstieg in den motorisierten Zweiradverkehr und gehörte davor einem sehr dicken Menschen aus Düsseldorf, dem ich ein bisschen zu viel Geld dafür gegeben habe, weil ich es nicht besser wusste. Ich habe ihn gekauft, weil er 16″ Räder hat statt der 12″-Dinger, die man hier auch mal gut in einem Schlagloch verstecken kann, weil ich nicht sitzen muss wie der sprichwörtliche Affe auf dem Schleifstein und weil der Bradl Max damals sagte, dass der kleine SH eine zuverlässige Angelegenheit sei.

Und ungefähr alle zwei Tage überlege ich den Roller ab- und ein zweites Mopped anzuschaffen. Und mache es doch nicht. Die Gründe dafür sind fürchterlich pragmatisch:

Erstens. Winterzeit ist Rollerzeit: Am Honda SH ist so viel Plastik, dass das Salz auf den Straßen im Winter deutlich weniger Angriffsfläche hat, als an meinem Mopped. Das macht die Sache recht pflegeleicht.

Zweitens. Topcase: ich möchte kein Topcase am Mopped. Ich finde das nicht ansprechend. Ich kann der Ästhetik moderner Roller aber eh nur bedingt viel abgewinnen, da stört dann auch das Topcase nicht mehr. Und es ist praktisch! Es passen wahlweise mehrere Pizzen, ein halbwegs vollständiger Wocheneinkauf oder eine vollständige Businesskasperverkleidung nebst technischem Beiwerk hinein.

Drittens. Das Ding ist zuverlässig. Hätte es einen Kickstarter, würde ich fast sagen: liegenbleibesicher. Ohne jetzt irgendetwas beschwören zu wollen. Die einzigen defekten Teile waren bisher der E-Starter drei Wochen nach Kauf, (machste leider nix, kann mal vorkommen nach 11 Jahren) und der rechte Spiegel, dessen Kugelgelenk der Rost geholt und weg gefressen hat (stand beim Vorbesitzer unabgedeckt im Freien). Ansonsten hat der Roller den Wartungsstau des Vorbesitzers bisher folgenlos überstanden. Ich erwarte, dass das Benzin unbezahlbar teuer wird, bevor der Roller verschleißtechnisch das zeitliche segnet, solange ich auch nur halbwegs nett zum Motor bin.

Viertens. Geringe Unterhaltskosten: Der SH hat nominell einen Verbrauch von unter 3L/100km. Ich liege meistens etwas drüber. Davon ab ist die Versicherung günstig, weil es nicht unbedingt ein Kinderroller ist, und die regelmäßig anfallenden Posten sind übersichtlich: 0,9L Öl alle 4000km (oder einmal im Jahr), kein Ölfilter, nur ein Sieb, nach zwei Jahren jetzt mal eine Zündkerze, ein Luftfilter, etwas Kühlmittel, demnächst vermutlich ein Riemen etc.

Fünftens. Saubere Füße: Klingt komisch, ist aber ein extrem gutes Argument für Roller im Allgemeinen. Ich fahre gefühlt gerade nur im Regen oder zumindest auf nasser Straße und ich habe nicht immer am Zielort Gelegenheit die Schuhe zu wechseln oder zu putzen. Muss ich auch nicht, das Teil hat ja einen durchgängigen Boden und ein Beinschild — alles safe. Der Rest von mir steckt derzeit eh in Jacke und Überhose.

Fazit: Ich mag den Roller nicht unbedingt, aber ich weiss ihn sehr zu schätzen. Und: der SH mag zwar nur ein Durchstiegsmotorrad sein und mir fehlt beim Fahren die enge Verbindung zum Fahrzeug, die mir die Knie am Tankan der Tankattrappe geben, aber er sorgt jeden Tag und bei nahezu jedem Wetter nach der Arbeit dafür, dass mein Kopf nach dem Absteigen freier ist, als vor dem Aufsteigen. Und das möchte ich nicht missen.

Würde ich den SH abschaffen? Ja, aber vermutlich nur für einen C1 200 Williams, einen C evolution, oder möglicherweise einen SH 300 mit ABS und etwas mehr Leistung. ABS ist sehr gut, aber stupide altmodische Technik ist auch sehr gut. Jedenfalls: ein Roller bleibt. Außer: meine Pedelstrecke ändert sich signifikant, hin zu nur noch einem geringen Anteil Stadtverkehr bei deutlich weiterer Strecke. Aber dann ist das die kleinste Änderung.

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Bloggeburtstag, verspätet

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An Heiligabend vor einem Jahr habe ich hier das Blog mit zwei kleinen Artikeln eröffnet. Seitdem sind einige dazu gekommen und es freut mich ungemein, dass sie auch gelesen werden. Das klingt jetzt so unpersönlich, also nochmal: Super cool, dass ihr den Kram lest, den ich hier in meinem arbeitsthemenfreien Refugium schreibe! Und ab und an auch noch kommentiert und liked, wie cool ist das denn! Ich mag die Interaktion auf Twitter, aber Comments sind nochmal schöner, irgendwie.

Für meinen Suchmaschinentraffic hätte ich einfach nach den Posts über den Wunderlich-Spoiler und die DIY-Hydrophobierung wieder aufhören können zu schreiben. Die beiden Artikel zusammen machen fast 90% der Klicks hier im Blog aus, die über eine Suchmaschine reinkommen. Aber das ist ja auch nicht der Punkt. Nicht, dass ich genau sagen könnte, was denn nun der Punkt ist. Es geht mir jedenfalls ein wenig wie Herrn Kettenritzel, ich freue mich sehr an dieser benzindurchseuchten Community, ob sie nun Rennleder trägt oder in kevlarverstärkte Flanellhemden versucht den Maschbauern ihr kariertes Alleinstellungsmerkmal abzulaufen.

In der zweiten Jahreshälfte musste das Bloggen kürzer treten, primär aus beruflichen Gründen. Das war sehr schade, aber leider nur das kleinste Opfer. Eigentlich musste fast alles recht kurz treten. Dafür kam ich in den Genuss von persönlichen Treffen mit Benzinblütern: Griesgram, Katha und Hafenwasser bei Currywurst und Pommes, sowie Sonja und Claudio von Pegasoreise und zumindest kurz im Vorbeigehen auch Stefan bei der Premiere seines ganz wunderhübsch fotografierten Films Abenteuer Pyrenäen. Auf der Pro-Seite steht auch ganz klar, dass ich wieder mehr zu lesen hatte, unter anderem weil Herr Hafenwasser sein Blog mit neuen Inhalten befüttert.

Ich bin sehr gespannt auf 2015. Gerade tüftle ich noch an dem großen Masterplan, der es mir erlaubt, alles Wichtige unter einen Hut zu bringen. Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert! Let’s hope for the best.

Frohes Neues dann euch allen!
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Staudurchfahrung: ein guter Anfang

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Die Petition zur Legalisierung der Staudurchfahrung geistert nun schon einige Zeit durch meine Timeline und Alexander schrieb bereits sehr richtige Punkte dazu. Heute stieß ich via Bla auf den entsprechenden Post bei Motorrado, den ich zu kommentieren versuchte. Keine Ahnung, ob das ins Nirvana gegangen ist oder in die Moderationsqueue (EDIT: offensichtlich in die Modqueue, danke :) ). Ich schrieb unter anderem folgendes Trivium:

Wie viele andere fahre ich gelegentlich durch die Rettungsgasse, schlicht aus Sorge um meine Sicherheit.

... von der meiner Hinterfrau übrigens im Zweifel auch nicht. Das Bild stammt aus diesem Reddit-Thread.

… von der meiner Hinterfrau übrigens im Zweifel auch nicht. Das Bild stammt aus diesem Reddit-Thread.

Ja, durch die Rettungsgasse zu fahren und an der Ampel nach vorne durch sollte für Motorräder legal sein. Schlicht, weil es auf das besondere Schutzbedürfnis dieser Gruppe Rücksicht nimmt. Radfahrer und Mofas dürfen ja auch an der Ampel vor fahren — zu Recht. Von der Schutzwürdigkeit eines Radfahrers unterscheidet mich nur ein wenig Textil oder Leder und im besten Fall ein paar Protektoren. Also nichts, was einen Unterschied machen würde beim Einatmen von Abgasen oder wenn jemand von hinten auf mich auffährt. Davon abgesehen käme eine solche Regelung aber allen Verkehrsteilnehmern zugute: Sie würde die Autoschlangen kürzer machen. Davon hätten dann auch die Leute neben der Straße noch etwas: weniger Abgasbelastung.

-> Hier geht es zur Petition <-

Staudurchfahrung und Vorfahren an der Ampel sind sinnvoll. Als erste Ausbaustufe. Was die Verkehrssituation in Ballungsräumen und auf den Strecken dorthin wirklich verbessern würde, wäre vollständiges Lanesplitting, also das Teilen einer Fahrspur zwischen einem Vierplus- und einem Zweirädrigen Fahrzeug. Das geht nicht auf allen Straßen, aber z.B. auf allen Autobahnen, die sind breit genug. Meinetwegen auch mit einer Obergrenze: nur bei Flussgeschwindigkeiten bis 80km/h. Es wäre sinnvoll. Eine Studie des Safe Transportation Research & Education Center’s der Universität Berkeley vom August diesen Jahres befand unter anderem, dass Lanesplitter im Vergleich zu Im-Stau-Stehern ein signifikant geringeres Risiko für Kopf- (9.1% vs 16.5%) und Oberkörperverletzungen (18.6% vs 27.3%), sowie nicht zuletzt tödlichen Verletzungen (1.4% vs 3.1%) tragen. Die Studie basiert auf Daten, die die California Highway Patrol von ca. 8000 Motorradunfällen erhoben hat. TL;DR gibt’s bei Road & Track.

Aber weder Staudurchfahrung noch Lanesplitting lösen das Problem von undurchdachtem und rücksichtslosem Verhalten. Nachdenken würde helfen, aber das ist nicht jedem aus sich heraus gegeben. Aber vielleicht kann man Anstöße geben. Vielleicht wäre es sinnvoll, wenn alle zumindest mal ein paar Meilen in den Schuhen der jeweils anderen laufen/fahren müssten/dürften/könnten:

Jeder Kleinwagenfahrer/in sollte zumindest einmal ein gut motorisiertes Mittelklassefahrzeug über eine lange Strecke bei hoher Geschwindigkeit fahren, am besten unter Zeitdruck, und einmal merken wie verdammt gefährlich das ist, wenn ein gut 100km/h langsamerer Kleinwagen 50 Meter vor ihm/ihr in die Fahrspur zieht.

Jede(r) Fahrer/in eines gut motorisierten SUV oder Firmenlimousine sollte gelegentlich im Winter nach Einbruch der Dunkelheit (for additional drama) mit einem durchschnittlich motorisierten Kleinwagen auf der Autobahn unterwegs sein. Es wird im Zweifel nicht sehr lange dauern, bis man mal zwei LKWs überholen muss. Die Erfahrung, dann im Rückspiegel ein Fahrzeug mit 80+km/h Differenzgeschwindigkeit auftauchen zu sehen, den Stoßfänger auf der eigenen Kopfhöhe, dessen Fahrer/in gefühlt auch erst bremst, wenn er/sie so nahe ist, dass man das Kennzeichen nicht mehr im Rückspiegel sehen kann, während man nicht ausweichen kann, weil sich links die Leitplanke, rechts der LKW und im Motorraum nicht das geringste bisschen zusätzliche Leistung befinden, hälfe womöglich, das eigene Verkehrsverhalten zu überdenken.

Alle Führerscheininhaber sollten einfach mal ein wenig Verkehr vom Mopped aus erlebt haben und jeder mal einen LKW mit Auflieger gelenkt haben. Der Takeaway von ersterem ist hier wohl offensichtlich; letzteres würde vielleicht ein wenig Respekt vermitteln vor all den LKW-Fahrern, die uns jeden Tag nicht übersehen, nicht unsere Kinder plattfahren und (vermutlich unter lautem Fluchen) jedes Mal wieder den Sicherheitsabstand vergrößern, wenn irgendwelche Spezialisten glaubten, dass 20 Meter sicher genug seien und sie mit ihrem Auto da jetzt mal dazwischen müssen.

Als regelmäßige Aktion ist so ein Rollentausch sicher utopisch, aber wir könnten damit anfangen, dass all diese Fahrzeugklassen Teil einer jeden ersten Führerscheinausbildung sind. Zumindest der Theorieteil wäre ohne signifikante Mehrkosten einfach erweiterbar. Die Autobahnfahrten sollten sowohl im Fiesta, als auch im X5 (exemplarisch, ihr wisst was ich meine) stattfinden, das wäre auch noch nicht wirklich teurer. 90 Minuten Mopped auf dem Übungsplatz und 90 Minuten durch die Stadt wäre ein Kostenpunkt, stimmt. Ebenso zwei Fahrstunden im Führerstand eines großen LKWs. Aber vielleicht wäre das sogar subventionswürdig, wenn es etwas bringt. Und vielleicht kommt ja der/die eine oder andere auf den Geschmack und macht noch den Rest der Ausbildung. Mehr LKWsMoppeds! Ich bin mir sicher, die Interessensvertretung der Fahrlehrer habe ich jetzt auf meiner Seite.

Leider habe ich keinen letztendlich erfolgversprechenden Lösungsansatz für das Arschlochproblem. Die wird es weiterhin in alles Formen und Farben, mit jedweder Herkunft und in und auf den verschiedensten Fahrzeugen geben. Zum Glück gibt es in jedem Stau viele Menschen, die genug Platz zum durchfahren lassen und auch solche, die bewusst Platz machen, wenn sie mich im Rückspiegel sehen. Danke dafür! Danke auch an die vier bis sechs Autofahrer pro Tag, deren Knautschzone ich an den Ampeln auf der Pendelstrecke parasitär mitnutze, indem ich zwischen ihnen halte und nicht am Ende der Schlange.

Iridiumquatsch – Über Ampelstarts mit kaltem Motor unter besonderer Berücksichtigung der höheren Lehranstalt

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imageIch muss mal wieder die Feuerzangenbowle gucken. Aber zum Thema: Ich habe in diversen Foren mal das eine, mal das andere über den Erwerb und Einsatz von Iridiumzündkerzen gelesen: bringt’s, bringt’s nicht; teurer Unfug, hält lange und amortisiert sich so. Für den Fall, dass die Scarver bei kaltem Motor wieder ausgeht (hatte ich gelegentlich), sollen IX-Kerzen das Allheilmittel sein.

Da es den Rollator nach einer neuen Kerze gelüstete, bemühte ich die Bucht und stolperte auf der Suche der normalen Zündkerze über ein Angebot, das ein paar Euro unter den sonstigen Preisen für Iridiumzündkerzen lag. Und es war ein Samstag, Alter, so nahm ich gleich zwei: für den SH und die Scarver.

Im SH ist sie jetzt seit einer Woche drin und: nett. Die zögerliche Gasannahme morgens bei kaltem Wetter und kaltem Motor ist halt einfach mal weg. Ich bin sehr positiv überrascht.

Bei der kleinsten aller modernen BMWs hatte ich die Kerze gerade schon rausgefummelt (es gibt keinen passenderen Begriff dafür, wenn man nicht das ganze LuFi-Gehäuse nebst Stuffbay runterschrauben will), als mir auffiel, dass die Iridiumkerze am oberen Ende etwas dünn wirkte im Gegensatz zur vorhandenen. Modell stimmte, also Suchmaschine an. SAE-Mutter ist das Stichwort. Die ist auf dem Bild auf der Packung aufgeschraubt, fehlt aber innendrin. Und anscheinend findet NGK das auch normal. Also erstmal die alte Kerze wieder reingeschraubt, der geht es ja auch noch gut. Dabei auch diesmal auf das merkliche Klacken beim Aufsetzen des Steckers geachtet, damit ich nicht wieder schieben muss. Und nochmal in die Bucht für das Mütterchen. >5€ losgeworden und gedacht: bestimmt eher eine bleibende Wertanlage, Gold oder so. Nope. Turns out, ich besitze jetzt genügend SAE-Muttern für … was weiß ich. Man muss die ja nicht mit der Kerze entsorgen, dat is Mehrweg. Das reicht bis über mein Lebensende hinaus, unter der Annahme, dass ich lockerflockig 90+ werde. See?

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Winterhandschuhe Racer Novus: nicht zu Ende gedacht

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Racer, der österreichische Hersteller von Motorradbekleidung, primär Handschuhe, ist im englischsprachigen Raum sehr viel bekannter, als in Deutschland. In den USA haben die Handschuhe der Firma wohl einige Fans, ein deutsches Review habe ich vergeblich gesucht, zumindest für den Novus.

Zum Handschuh:

Racer Novus

Racer Novus

Der Novus ist ein 5-Finger Winterhandschuh. Das Obermaterial ist Leder und Schöller Keprotec, ein abriebfestes Material mit Aramidfasern. Leider geht aus der Packungsbeilage des Handschuhs nicht hervor, ob alles was kein Leder ist auch Keprotec ist und die Website des Herstellers gibt sich in den entscheidenden Punkten wortkarg. Darunter sorgt eine sogenannte Aquaprotect-Membran für trockene Finger und darunter wiederum eine Schicht Thinsulate dafür, dass es auch warm bleibt. Das klappt einigermaßen, aber nach 45 Minuten bei 8°C deutete sich an, dass der Handschuh bei 0-4°C keinen Spaß mehr macht, zumindest auf längeren Strecken.

Novus: Innenseite mit Slidern

Novus: Innenseite mit Slidern

Die Protektorenausstattung fällt dagegen positiv auf: zusätzlich zum Knöchelprotektor gibt es zwei Knox-Slider über Handballen und Kahnbein — außerhalb des Straßenrennsportbereichs eher selten anzutreffen. Gibt es eigentlich seriöse Erkenntnisse, wie effektiv diese Slider im Falle des Falles sind?

Ansonsten fällt die lange, mit variablem Gummizug verschließbare Stulpe und die ordentliche Verarbeitung auf: Die Nähte sind sauber und fest, keine losen Fäden in Sicht. Das sollte auch besser so sein, immerhin, ruft der Hersteller rund 90€ für ein Paar auf. Amazon wollte ca. 1/3 weniger.

 

Positiv:
Bisher dicht, gute Verarbeitung, warm genug für 03-10er Fahrer, taktile Wahrnehmung trotz Handschuh noch ok.

Negativ:
Kein Leder außen am Daumen, rutschiges Material macht die Bedienung der Hebeleien anstrengend und im Zweifel unzuverlässig, leichte Faltenbildung an der Innenhand, nicht warm genug für „echten“ Winter.

Racer hat auf meine Frage nach der genauen Zusammensetzung des Obermaterials leider nicht geantwortet. Darüber könnte ich hinweg sehen. Was den Handschuh aus dem Rennen wirft ist jedoch, dass es zwar angeblich rutschhemmendes Material zwischen Daumen und Zeigefinger gibt, man aber Kraft aufwenden muss, damit der Gasgriff nicht aus der gewünschten Position rutscht und die Finger über Kupplungs- und Bremshebel gleiten wie frisch geölt, denn hier findet sich nur blankes Textil, von dem ich auch nur hoffen kann, dass es zumindest viel Aramid enthält.

Fazit: möglicherweise ein ganz ordentlicher Skihandschuh, zum Motorradfahren aber nicht wirklich geeignet. Diese Handschuhe waren der Anlass meiner Frage nach Handschuhempfehlungen (Twitter) Ende Oktober.

Wunschliste – #motwunsch

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John F. Kennedy, great user of motorcades (Quelle: Wikipedia/WHPO, CC0)

John F. Kennedy, great user of motorcades (Quelle: Wikipedia/WHPO, CC0)

Ask not what you can do for the motorcycle industry, ask what the motorcycle industry can do for you!

Der Griesgram fragte, was wir uns von Herstellerseite wünschen, hier ist meine Liste:

Hochzeit von BMWs C1 mit dem Antrieb aus BMWs C evolution, aber mit leichterem Batteriepack bei gleicher Reichweite. Der C1 ist schweinehässlich und hat mit einem Mopped nix zu tun? Kann sein, aber er ist das beste urbane Pendlerfahrzeug, das jemals produziert wurde. Nur die Motorisierung ist ein Witz und einige Details beim Wetterschutz, die der C1 dann über das Zubehörprogramm für teuer Geld bekommen hat, könnten diesmal direkt Teil des Designs sein. Außerdem: bezahlbar. Das ist ein weicher Begriff und Batteriepreise sind hier noch ein Problem, aber es ist wohl relativ klar, dass der C evolution zu teuer ist, um ein Verkaufsschlager zu sein.

Bezahlbare, leichte E-Enduros, zulassungsfähig, 200km Reichweite. Es ist erstaunlich, welche Wege man unbehelligt in deutschen Wald und Feld fahren kann, solange man Rücksicht nimmt. Je leiser, desto besser und leiser als elektrisch geht wohl gerade nicht. Lasst uns hier bitte auch über Rahmenbedingungen sprechen, die es erlauben, Endurowandern legal zu betreiben, nicht nur geduldet. Das wäre sehr schön.

Mehr Riemen statt Kette. Kettenreiniger, Kettenspray, wahlweise Kettenöler, nachspannen, Kettenrad und -ritzel tauschen … Oder einfach ab und zu mal nachsehen, ob sich kein Stein reingedrückt hat und sich ansonsten nur alle 40.000 Kilometer mit der zweiten Hälfte des Antriebsstrangs auseinandersetzen müssen. Riemen haben ihre Grenzen, aber die sind doch recht weit und innerhalb ist das Leben ganz schön praktisch. Mehr davon!

Hübsche, schraubbare Moppeds, mit möglichst wenig Plastik und deaktivierbarem ABS. Also ungefähr die Ninette, aber durchaus leichter, weniger Leistung, keine elektronischen Helferlein, die das Selberschrauben langfristig behindern. Damit man sich jeden Zweifel beim selbstgemachten Bremsflüssigkeitswechsel trotz ABS sparen kann: einfach diesen Teil des Servicesprogramms (ABS-Pumpe pumpt blasenfrei die alte Flüssigkeit raus und die neue rein) direkt am Mopped aktivierbar machen, ohne ein Diagnosegerät zu erfordern. Das ist trivial zu realisieren und wäre nur fair.

Mehr gut schützende Bekleidung, die auch stylisch aussieht. Keine bescheuerten Nähte im Kniebereich, die da nicht hingehören, ordentlich große Protektoren, die den Namen auch verdienen. Einfach mal von BMW die NP-Protektoren kopieren oder so. Und was Jacken angeht: Rückenprotektoren, die den Namen auch verdienen (vgl. Dainese Manis). Oh, und Stiefel: solche, die unter Jeans gut aussehen, solche, die zum Businesskasperoutfit passen und beide vorne so breit, dass meine Füße bequem hinein passen. Ich könnte ein paar Leisten dafür vorschlagen.

Ein Einteiler für über das Businesskasperoutfit. Das ganze muss man schnell an- und ausziehen können, ohne die Stiefel auszuziehen. Die Passform sollte feingranular durch Klettbänder anpassbar sein, das Material hoch abriebfest, die Gelenkprotektoren müssen ihren Namen verdienen, auch wenn sie dann auftragen und der Rückenprotektor sollte den ganzen Rücken abdecken und daher in verschiedenen Größen erhältlich sein (think: Dainese Manis). BMWs Coverall ist ein netter Anfang, aber sitzt zu lose, hat nur besser-als-nichts SC-Protektoren und einen zu kurzen Rückenprotektor. Die Überziehkombi dann geliefert in einer halbwegs edlen Transporttasche, die man zur Not auch ins Meeting mitnehmen kann. Außerdem: bei solchen Klamotten, die man wirklich nur zum Fahren trägt und zudem als Pendler oft in der Dämmerung, hätte ich gerne ganz viel HighVis-Ausstattung, die auch lange die Farbe hält.

Langgrößen/differenziertere Schnitte. Liebe Bekleidungshersteller, es ist klar, dass ihr das Segment kleiner, dicker alter Männer auf großen Maschinen bedienen müsst. Die bezahlen gutes Geld. Aber wenn ihr auch in zwanzig Jahren noch gutes Geld verdienen wollt, solltet ihr euch heute um das Kundensegment kümmern, das auch in zwanzig Jahren noch Motorrad fährt. Und wir sind im Durchschnitt größer. Das heißt auch: längere Arme und so. Und wir sind die einfache Fraktion: normale Größen, kurze Größen, lange Größen. Das andere Kundensegment, das noch Wachstum verspricht, sind motorradfahrende Frauen. Davon gibt es zu wenig (das hat vielfältige Gründe, die hier den Rahmen sprengen) und obwohl sich hier im Bekleidungsbereich einiges getan hat, sind wir noch weit von passender Bekleidung für die diversen Figurtypen weg. Hier sollte es also differenzierter zugehen.

So, und jetzt bin ich sehr gespannt, was noch so alles unter dem Hashtag #motwunsch auftaucht! Ich habe noch bei weitem nicht alles gelesen, sehe aber noch bei einigen anderen den Wunsch nach bezahlbaren, ordentlichen, kleinervolumigen Moppeds und kann schonmal des Griesgrams und des Kettenritzels Anforderungskatalog an die Politik voll unterstützen. Ich würde mir in diesem Kontext auch wünschen, dass sich auf allen politischen Ebenen die Erkenntnis durchsetzt, dass 4-rädigen Fahrzeuge in Ballungsgebieten nicht die Zukunft gehören kann, wenn wir etwas von unserem Lebensraum behalten wollen. Fahrräder und Pedelecs sind nicht die Lösung, sie sind ein Teil davon. Städte müssen insgesamt Zweiradfahrer besser mitdenken, große und kleine. Das denke ich zum Glück auch nicht alleine.

Goldener November

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Was ist dieses „Saison“ von dem alle sagen, dass es vorbei ist? Außer in meiner Timeline natürlich, die scheint mir recht bindestrichfrei. Genauso die Straßen im Sauerland am letzten Samstag — die Moppedpopulation war höher, als an manch anderen Tagen.

Reger Mopetenverkehr im Sauerland an diesem wunderschönen 1. November

Und das ist auch gut so, denn die 03-10er taten mir schon etwas leid, denn denn wie sprach Herbert Knebels falscher Twitteraccount?

Statt zu grillen kann man auch das gute Wetter nutzen, um die Winterschlappen nicht bei nass-kaltem Wetter auf das 4Rad zu ziehen und anschließend am frühen Nachmittag das 2Rad bewegen.

Kurzer Stop am Hennesee

Kurzer Stop am Hennesee

Ich bin jedenfalls die Strecke mit dem Hausstreckenpotential gefahren, bzw. eine Variante davon. Kurz nach Arnsberg runter von der Autobahn, der Strecke mit den schönen Kurven und dem unschönen Flickwerk von Straßenbelag nach Warstein folgen und von dort Richtung Meschede. Von Meschede aus am Hennesee entlang Richtung Olpe und zwischendrin links abbiegen Richtung Winterberg und Schmallenberg. In Bad Fredeburg über den Berg nach Holthausen und von dort aus hinunter ins Sorpetal. Die Sorpestraße ist ein vom Leben gezeichneter Asphaltwurm, von Rissen und Bitumenflicken verunstaltet, und wenn ein Bus entgegenkommt, muss ein Auto schonmal etwas ins Kiesbett ausweichen. Aber das Tal ist wunderschön und die Flicken und Risse stören meine Linie diesmal auch nicht, inzwischen könnte ich die Strecke fast blind fahren. Schönerweise ist die Straße oberhalb Niedersorpe auch wieder fast völlig trocken.

Morgennebel im wunderschönen Sorpetal — bei einer völlig anderen Gelegenheit.

Pause dann am oberen Ende des Tals in Rehsiepen. Als ich wieder losfahre, kommt mir ein Mensch mit locker geschulterter Langwaffe entgegen. Das erklärt dann auch die vielen anderen Herren mit oranger Weste und Wegbier in der Hand, die mir unterwegs begegnet sind: die Jagdsaison ist eröffnet und es war wohl Treibjagd.

Die Sorpestraße schraubt sich im Anschluss von 555 auf etwas über 700m und bringt mich über Siedlinghausen wieder zurück auf die verhältnismäßig breite L740 nach Meschede. Unterwegs wird mir klar, weshalb die Strecke gesperrt war, als ich das letzte Mal da war: es gibt einige Kilometer frischen Asphalt! Leider liegt all zu oft Schotter vom Randstreifen auf der schönen neuen Fahrbahn. Die L740 geht diesmal wirklich ausgesprochen flüssig von der Hand und so bin ich mit hereinbrechender Dunkelheit wieder in Meschede.

Unmöglich kitschiger Sonnenuntergang in der Nähe von Siedlinghausen

Tanken, und ab auf die Autobahn, damit das mit dem Abendessen auch noch klappt. Abgesehen von ein paar Loonies mit HSK-Kennzeichen auf dem Weg in die Disse in Dortmund war die Rückfahrt dann auch herrlich ereignislos.

Ausprobiert: Handschuh BMW ProSummer

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Weil meine bisherigen Nicht-Winter Handschuhe in puncto Materialdichte und Wasserdichtigkeit über die Jahre etwas nachgelassen hatten, hatte ich mir letztes Jahr ein neues Paar geleistet. Mit dem Material, das BMW für sein Label fertigen lässt, hatte ich bisher sehr gute Erfahrungen gemacht. Die Produkte sind oft eher im oberen Preissegment, aber wenn Qualität und damit Nutzungsdauer stimmen, dann ist so ein Teil zwar nicht billig aber preiswert — wie zum Beispiel meine früheren Stiefel, deren Wasserdichtigkeit 17+ Jahre Bestand hatte.

Frühere Nicht-Winterhandschuhe. Gehören zu der ersten oder zweiten Kombigeneration, die BMW in den 70ern auf den Markt gebracht hat. Haben es größtenteils hinter sich.

Frühere Nicht-Winterhandschuhe. Gehören zu der ersten oder zweiten Kombigeneration, die BMW in den 70ern auf den Markt gebracht hat. Haben es größtenteils hinter sich.

Der BMW ProSummer ist ein leichter Tourenhandschuh mit flexibler GoreTex Xtrafit-Membran. Ich kaufte ihn, weil ich gerne einen Handschuh mit großflächig Leder an der Innenhand und zusätzlich Materialdopplungen an den Sturzstellen haben wollte, der ohne martialischen Knöchelprotektor auskommt und zudem auch noch wasserdicht und halbwegs atmungsaktiv ist. Es war eine dumme Idee. Ich habe mich inzwischen auch mit martialischen Knöchelprotektoren angefreundet, aber dazu ein ander Mal.

BMW ProSummer, zweite Generation

BMW ProSummer, zweite Generation

Ersteindruck: sehr gut
Hält man den Handschuh zum ersten Mal in den Händen, sieht die Sache sehr gut aus. Die Qualitätsanmutung entspricht der Preisklasse. Alle Nähte sind sauber verarbeitet, da hängt kein Faden, alles glatt. Das leichte Futter liegt faltenfrei an, da knubbelt nichts. Der Handschuh ist tatsächlich sehr leicht und das Gefühl an den Griffen nicht so direkt, wie bei einem ungefütterten Lederhandschuh, aber sehr gut. Die breite Größenauswahl stellt zudem sicher, dass man einen gut sitzenden Handschuh bekommen kann, wenn man sich die Zeit zum Anprobieren nimmt.

Nach ungefähr 3 Wochen begann sich an einem Handschuh eine Naht an der Stulpe aufzulösen. Außerdem hatte ich direkt schon einmal recht feuchte Hände bekommen. Montagsmodell, sollte nicht passieren, kann aber halt mal vorkommen. Die Reklamation beim Freundlichen verlief problemlos, drei Tage später hielt ich ein neues Paar in den Händen.

Atmungsaktivität
Auch wenn man bei GoreTex immer ein bisschen den Namen mitbezahlt, hatte ich bisher keinen Grund an der Sinnhaftigkeit zu zweifeln. Zumindest Schuhe und Hosen waren immer gut dicht und ich schwitzte darin nicht. Das gilt bedingt auch für die ProSummer. Außer es ist echt Summer. Den Handschuhen wurde keinerlei IR-reflektierende Pigmente, wie z.B. TFL-Cool, gegönnt und sie sind nunmal schwarz. Wenn das Thermometer sich dem oberen 20°C-Bereich näherte, hatte ich meist recht bald die Finger in der Suppe. Außer auf der Autobahn, da war die Temperaturdifferenz innen–außen groß genug, dass der Schweiß gut abtransportiert wurde. Wenn der Handschuh erstmal etwas angeschweißelt war, war das Aus und Anziehen auch gleich nicht mehr ganz so komfortabel. Positiv hervorheben kann ich allerdings, dass es auch dann keine Faltenbildung gab und das Futter sich nicht merklich verschoben hat, auch wenn es an der Haut klebte und das Anziehen der Handschuhe erschwerte.

Eimertest
Ich habe die Handschuhe nicht in einen Eimer Wasser gesteckt und gewartet, ob etwas durch kommt. Das ist auch Unfug, diesen Test besteht jede Mist-Membran. Der Grund dafür ist relativ einfach: die Wasserdichtigkeit einer Membran wird als Wassersäule eines bestimmten Durchmessers angegeben — es gibt neben dem Volumenstrom pro Zeit also auch eine Druckkomponente. Der Wasserdruck, der in rund 20cm Tiefe im Wassereimer auf die Membran an den Fingerspitzen einwirkt, ist dagegen vernachlässigbar klein, ganz zu schweigen von dem bisschen Druck, der z.B. weiter oben am Handballen wirkt.

Wasserdichtigkeit
Ich brauchte aber auch keinen Eimertest. Ich habe den Handschuh jetzt gut 12 Monate gefahren (mit 3 monatiger Unterbrechung im milden letzten Winter — unter 10°C machen diese Handschuhe keinen Spaß), ca. fünf Tage pro Woche Kurzstrecke und noch ein paar tausend Kilometer Touren oben drauf. Der Handschuh hat ca. 8 Monate dichtgehalten, dann hatte ich das erste Mal ein wenig feuchte Fingerspitzen, die ich zu dem Zeitpunkt als Schweiß abgetan habe. Als ich Gelegenheit hatte, die DIY-Hydrophobierung meiner Kombi zu testen, war es mit den Handschuhen auch völlig vorbei. Klatschnasse Hände, schweres, vollgesogenes Futter. Ja, Starkregen, aber ja, das sollte GoreTex Xtrafit abkönnen. Kann es vermutlich auch, aber die Nähte wohl nicht. Die müssen bei Membranstoffen ja geschweißt oder laminiert werden. Und hier scheint auch das Problem zu liegen. Derzeit dauert es bei Regen bei Stadt- oder Landstraßengeschwindigkeit zwischen 10 und 30 Minuten, bis es an den Nahtbereichen der Finger feucht wird. Die 16 Jahre alten Sympatex-3-Fingerdinger von Hein Gericke, die ich bisher im Winter gefahren habe, sind übrigens immer noch dicht. (Disclaimer: Die Heizgriffe bleiben übrigens aus, solange die Handschuhe noch trocken sind, Membrankram braucht Temperaturdifferenz in die richtige Richtung.)

Fazit
Für ein Paar dieser Handschuhe ruft BMW derzeit 110,-€ auf. Bei Lagerware kann der Händler hier durchaus auch mal 20% Rabatt geben. Trotzdem bleibt ein stolzer Preis und den ist der ProSummer nicht wert. Ich glaube nicht an zwei Montagsmodelle hintereinander. Meine Handschuhe werde ich bei nächster Gelegenheit versuchen zu reklamieren. Ich hoffe das geht auch diesmal ohne Probleme ab. Would not buy again.

Sauerland Hyperlapse

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Hochsauerland Höhenstraße

Meine Arbeit hat mich gerade vollständig wieder. Um die Zeit auf dem Mopped im Sauerland mal eben kurz revue passieren lassen zu können, habe ich mal mein gesamtes Bildmaterial aus der N0Pro genommen und zu zweieinhalb Minuten Film zusammengeknotet. Damit fast-forwarde ich mich doch in ganz erheblicher Geschwindigkeit durch meine Fahrstrecken, denn die einzelnen Frames sind im Abstand von 60s entstanden.

Here it is:

Direktlink

Ich poste bei Gelegenheit auch mal die GPX-Tracks dazu. Mehr Bilder:

Alpine MotoSafe Langzeittest

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Ich wollte ja nichts mehr über die Dinger schreiben, weil sie, nachdem Alpine eine Runde Testsamples unter die Blogger* geworfen hat, dann auch von allen Empfängern pflichtgemäß durchgenudelt wurden. Weil bisher noch niemand genau mein Fazit aus meinen Gründen gezogen hat (wie das halt so ist), hier nun doch: Ze Alpine MotoSafe Review to rule all Alpine MotoSafe reviews.

Rechts Gehörschutz, links Alpine MotoSafe

Rechts Gehörschutz, links Alpine MotoSafe

Ich fahre seit knapp einem Jahr mit den Alpine MotoSafe in den Ohren (d.h. > 8000km, und, transparency report, ich habe sie selbst bezahlt). Ich habe davor kurz Oropax Schaumstoffstöpsel ausprobiert, aber die Dämpfung liegt über dem, was ich normalerweise haben möchte. Irgendeine Form von Gehörschutz brauche ich aber meist, wenn ich nicht nachher ein Pfeifen auf den Ohren haben möchte (was ich definitiv nicht möchte).

Alpine kannte ich, weil ich seit ein paar Jahren die MusicSafes in den Ohren habe, wenn jemand laut Musik spielt oder macht (Hausparty: Filterfarbe weiß, PA: gold, bzw. schwarz bei den neu-gelabelten MusicSafe Pro).

Die MotoSafe-Stöpsel kommen, wie inzwischen vermutlich auch der/die Letzte weiß, mit Filtern in zwei Farben, grün für „dämpft auf dem Mopped nicht“ und gelb für „dämpft im oberen Frequenzbereich nicht genug aber unten ein wenig zu viel“. Ich habe an mehreren Stellen gelesen, dass die Filter sich von den weißen bzw. silbernen MusicSafes nur in der Farbe unterscheiden.

Das klingt jetzt nicht nach dem berauschensten Review der Welt, aber offensichtlich hindert mich das nicht an der (bedingten) Benutzung mit den gelben Filtern (die grünen können direkt weg).

Wofür die Alpine MotoSafe nicht taugen:

  1. Kurzstrecke: auch mit viel Routine ist das Einsetzen der Stöpsel fummelig und gelingt mir nur selten auf Anhieb. Auch wenn es auf einer Seite mal direkt klappt, brauche ich auf der anderen Seite bestimmt zwei oder drei Versuche. Wenn ich nur Stadtverkehr fahre, dämpft der Helm genug, da brauche ich keinen zusätzlichen Gehörschutz, somit ist das ok.
  2. Autobahn: Ab 130-140km/h sind die Windgeräusche** trotz MotorSafes so laut, dass ich nachher Ohrgeräusche habe, wenn ich das Tempo für mehr als 20-30 Minuten halte und oft ist es ja mehr als das. Für mal eben dem Ruhrgebiet entkommen reichen die Alpine-Teile also, im Ruhrgebiet sind mehr als 120km/h eh selten und wenn dann kurz. Für längere Strecken kommen meist Schaumstoffstöpsel in die Ohren. Dann fehlt mir ganz viel auditives Feedback vom Mopped, aber dafür habe ich auch am Ziel Frieden in den Ohren (excuse the pun).

Wofür die Alpine MotoSafe taugen: den ganzen Tag Kurven heizen auf der Land-/Staats-/Kreisstraße ohne nachher Pfeifen oder Klingeln oder Rauschen auf den Ohren zu haben, und das mit einem einigermaßen tragbaren Preis-Leistungsverhältnis. Auch hier würde ich mir allerdings ein bisschen mehr Dämpfung im oberen Frequenzbereich wünschen. Die Windgeräusche könnten noch weniger sein. Dem Motor würde ich dabei gerne weiterhin gut beim Ein- und Ausatmen zuhören können. An meine Bedürfnisse angepassten Gehörschutz kann man kaufen, aber nicht in dieser Preisklasse. Mit Oropax als Autobahnlösung ist es ok.

Fazit: Fair enough.

  • Pro:
    • Einigermaßen ausreichender Schutz bei Landstraßengeschwindigkeiten
    • auditive Umgebungswahrnehmung bleibt erhalten, Headset weiterhin verständlich
    • Preis/Leistung ok
  • Neutral:
    • Regelmäßige Reinigung nötig, aber nicht aufwändig
  • Kontra:
    • zu wenig Dämpfung für die Autobahn
    • zu fummelig für Kurzstrecke
  • Das Produkt würde deutlich verbessert durch: ein drittes Paar Filter mit stärkerer Dämpfung im oberen Frequenzbereich

* EDIT: Da ich den ganzen Blogpost mangels echtem Gerät auf dem Handy getippert habe, gab es kein Links zu den anderen Reviews. Jetzt habe ich meinen Feedreader wieder, also: Andere Reviews, die ich gelesen habe, waren von abgeschweift.de, MoJomag, kettenritzel.cc, moppedblog.de, lawbike.de, cafe-culture.de, motorradonline.de und youmotorcycle.com.

** mein Helm ist ein BMW Sport und somit eigentlich nicht der lauteste